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Rahmenbedingungen für internationale Fachkräfte in Jena analysiert

Positives Fazit nach drei Jahren „HiTh“-Fachkräfte-Projekt
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Meldung vom: 23. April 2019, 10:53 Uhr | Verfasser/in: Marina Flämig | Zur Original-Meldung

HiTh-Gruppe Nach drei Jahren HiTh zogen ein positives Fazit (v.l.n.r.): Claudia Hillinger, Wilfried Röpke, Silke Übelmesser sowie Sebastian Henn. Foto: JenaWirtschaft

Die Wirtschaftsförderung Jena und die Friedrich-Schiller-Universität Jena haben nach drei Jahren ein positives Fazit aus dem gemeinsamen transdisziplinären Projekt "HiTh – Hochqualifiziert. International. Thüringen" gezogen. Ausgangspunkt war die Prognose, dass die Thüringer Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten stark abnehmen wird – nach aktuellen Berechnungen bis 2035 um 26 Prozent. Dadurch fehlen in vielen Unternehmen wichtige Arbeitskräfte. Die Lehrstühle für Finanzwissenschaft und für Wirtschaftsgeographie sowie das Internationale Büro der Friedrich-Schiller-Universität Jena untersuchten gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Jena, ob und wie internationale Studierende und Fachkräfte aus dem Ausland in Thüringen dazu beitragen können, diese Lücke zu schließen. Der Fokus lag auf den Rahmenbedingungen, die internationale Studierende und Fachkräfte vor Ort brauchen, um langfristig in Thüringen zu bleiben.

Für das Potenzial internationaler Fachkräfte sensibilisieren

"Konkret war es unser gemeinsames Ziel, internationale Studierende und Absolventen für den Wirtschaftsstandort Jena bzw. Thüringen zu gewinnen sowie Unternehmen für das Potenzial internationaler Fachkräfte zu sensibilisieren", so JenaWirtschaft-Geschäftsführer Wilfried Röpke. Wichtig sei es auch, die bereits vor Ort lebenden internationalen Fachkräfte durch gute Angebote langfristig im Freistaat zu halten.

Prof. Dr. Silke Übelmesser, Inhaberin des Lehrstuhls für Finanzwissenschaft der Universität Jena, forschte dabei besonders zu internationalen Studierenden, also potenziellen zukünftigen internationalen Mitarbeitern. Diese stellen "ein interessantes exogenes Potenzial angesichts der demografischen Entwicklung – Stichwort Fachkräftemangel – dar", so Übelmesser. "Sie sind nach Studienabschluss relativ gut integriert und kennen den Standort gut. Die Herausforderung liegt darin, einen Teil von ihnen nach ihrem Abschluss für den Thüringer Arbeitsmarkt gewinnen zu können. Laut den Untersuchungen sind dafür gute Arbeitsmarktperspektiven wichtig, die persönlichen Umstände und das Gefühl, hier willkommen zu sein."

Dieses Willkommensgefühl sei nicht selbstverständlich, aber eine grundlegende Bedingung dafür, dass jemand vor Ort bleibe. Prof. Dr. Sebastian Henn, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsgeographie, kennt die Herausforderungen: "Wir müssen sowohl bei den Unternehmen als auch der breiten Bevölkerung Verständnis dafür vermitteln, dass Zuwanderung entscheidend ist, um die Wettbewerbsfähigkeit der Thüringer Unternehmen langfristig aufrechtzuerhalten." Wichtig sei es, Berührungsängste und Vorurteile in der Bevölkerung und den Belegschaften der Unternehmen abzubauen. "Hier können wir durch die Kommunikation von Best-Practice-Beispielen entscheidende Vorteile von national gemischten Teams vermitteln", so Henn.

Interkultureller Unternehmenspreis wird verstetigt

Um diese Kommunikation zu verstetigen, initiierten JenaWirtschaft und Uni Jena den Wettbewerb "i-work Business Award: Interkultureller Unternehmenspreis für Jena und die Region". Dieser Wettbewerb findet 2019 bereits zum 3. Mal statt und wird auch nach Ende des HiTh-Projektes weitergeführt. "In Jena und Region engagieren sich viele Firmen vorbildhaft mit umfassenden Maßnahmen, Mitarbeitende mit ausländischen Wurzeln zu gewinnen und zu integrieren", so Röpke. Diese wolle man weiter für ihr beispielhaftes Engagement auszeichnen. Außerdem werde die vor drei Jahren von JenaWirtschaft gegründete "Steuergruppe Internationale Fachkräfte" fortgesetzt. "Wir wollen den Austausch rund um das Thema internationale Fachkräfte mit den Personalverantwortlichen aus regionalen Unternehmen und Einrichtungen auf jeden Fall weiterführen", so Röpke. Verankert werde die Gruppe im Netzwerk "Jenaer Allianz für Fachkräfte", welches von JenaWirtschaft geleitet wird.

Die Unternehmen selbst haben an der Universität Jena auch einen kompetenten Ansprechpartner für das Matchmaking mit internationalen Studierenden gefunden. Im Rahmen des HiTh-Projektes sollten laut der Projektvorgaben 30 internationale Studierende in Praktika bzw. als Werkstudierende in die Thüringer Wirtschaft vermittelt werden. Diese Zahl wurde bereits weit vor Projektende übertroffen. Dr. Claudia Hillinger, Leiterin des Internationalen Büros der Uni Jena, kennt aber die Herausforderungen bei der Praktikums- und Jobsuche: "In unserer Befragung der internationalen Studierenden gaben 65 Prozent an, dass externe Faktoren die Hauptschwierigkeiten bei der Suche nach einem Praktikum darstellen. Dazu gehört unter anderem, dass viele Thüringer Unternehmen international nicht so bekannt sind." Die erfolgreiche Vermittlung soll deshalb weitergehen: Ausgehend von den Ergebnissen des HiTh-Projektes werden Anschlussthemen im 2018 neu gegründeten Career & Welcome Point der Universität Jena weiter durch den Europäischen Sozialfonds und die Europäische Union gefördert.

Über HiTh – Hochqualifiziert. International. Thüringen.

Das transdisziplinäre Projekt HiTh untersuchte, inwiefern internationale Studierende und Fachkräfte aus dem Ausland dem massiven Rückgang des Fachkräftepotenzials in Thüringen entgegenwirken können. Konkret zielt es darauf ab, internationale Studierende für den Wirtschaftsstandort Thüringen durch einen erleichterten Übergang in den lokalen und regionalen Arbeitsmarkt zu gewinnen sowie Unternehmen für das Potenzial zu sensibilisieren, um in Thüringen befindliche internationale Fachkräfte langfristig im Freistaat zu halten. Das Projekt wurde gemeinsam vom Lehrstuhl für Finanzwissenschaft, dem Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie und dem Internationalen Büro der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Jena mbH durchgeführt. HiTh wurde durch den Freistaat Thüringen mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Die Laufzeit des Projekts betrug drei Jahre (Juni 2016 bis Mai 2019).

Im Einzelnen umfasste das Projekt HiTh:

  • die Umsetzung und Evaluierung von Maßnahmen zur Verbesserung der Aufnahmefähigkeit und Bindungskraft Thüringer Unternehmen für internationale Studierende und Fachkräfte,
  • die Generierung einer umfassenden Datenbasis durch Befragungen von internationalen Studierenden, Fachkräften sowie Thüringer Hochschulen und Unternehmen,
  • die Ableitung von Handlungsempfehlungen für die Thüringer Wirtschaft, Politik und Hochschulen,
  • einen umfassenden Transfer der Ergebnisse an die Beteiligten und die breite Öffentlichkeit.
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